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20.11.2010, 00:35 Read more...


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Japan: Goto gewinnt entscheidenden Prozess

Japan: Goto gewinnt entscheidenden Prozess gegen Unterdrückung der Glaubensfreiheit



Professionelle Kidnapper und kolaborierende Familienmitglieder entzogen einem Mitglied der Vereinigungskirche die Freiheit für 12 Jahre mit der Absicht seinen Glauben zu brechen – Paradigmenwechsel in der japanischen Justiz?

 

Wien/Washington/Tokio, 4. Februar 2014



Der Japaner Toru Goto, der von seinen eigenen Familienmitgliedern gekidnapped wurde und über 12 Jahre brutalen körperlichen und psychischen Versuchen seinen Glauben zu brechen ausgeliefert wurde, gewann die gerichtliche Klage gegen seine Entführer. Verfechter der Religionsfreiheit loben das Ergebnis und betonen gleichzeitig, dass mehr Maßnahmen nötig seien um die Unterdrückung der Glaubens- und Religionsübungsfreiheit in Japan zu beenden.

Herrn Toru Goto, Mitglied der Vereinigungskirche, wurde von einem Bezirksgericht in Tokio eine Kompensation von umgerechnet 34.800 € zugesprochen. "Es ist mein Herzenswunsch, dass dies helfen wird um Kidnapping und Zwangsisolierung zum Zweck der Deprogrammierung künftig zu beseitigen.", sagte Goto (50) in einer Pressekonferenz in Tokio. "Mit der Gelegenheit, die sich aus diesem Sieg ergiebt, hoffe ich, dass Japan, wo Freiheit und Menschenrechte rechtsstaatlich gewährleistet sind, ein Land werden kann, in dem Menschen sich nicht täglich fürchten müssen aufgrund ihres Glaubens entführt oder eingesperrt zu werden." (Das untere Bild zeigt Toru Goto im Krankenhaus nach seiner Gefangenschaft von 12 Jahren und 5 Monaten.)

Das Gerichtsurteil könnte Japan einen Schritt weiter dahin bringen, das traurige Kapitel der Deprogrammierung und der erzwungenen Glaubensentsagung abzuschließen. 

Die am stärksten vertretenen Religionen in Japan sind der Shintoismus und Buddhismus, obwohl Neue Religiöse Bewegungen wie die Vereinigungskirche oder Jehovas Zeugen an Popularität zunehmen. Das  U.S. Committee on International Religious Freedom hielt letztes Jahr fest, dass Japans Gerichte Kidnappingfälle und Zwangsdeprogrammierungen von Mitgliedern der Vereinigungskirche sowie anderen Neuen Religiösen Bewegungen weiterhin ignorieren. "In some extreme cases, as with Unification Church member Toro [sic] Goto, individuals were confined against their will for a decade or more.", stellt das Komitee im Jahresbericht von 2013 fest. "Those abducted describe psychological harassment and physical abuse by both family members and 'professional deprogrammers.' Police and judicial authorities have neither investigated nor indicted those responsible for these acts, often citing lack of evidence."

Scott Flipse, der Vize-Strategiedirektor des Komitees, gab sich zufrieden mit dem Urteil im Fall Goto und sagte, das Gremium hoffe, dass "das Urteil ein Signal sendet, dass das Erzwingen von Glaubensentsagungen nicht mehr straffrei bleibt." 

Weder die japanische Botschaft (in den USA) noch das U.S. State Department haben zum Urteil Stellung genommen. Das State Department hat allerdings Japans Untätigkeit in Fällen von religiöser Unterdrückung wie dem Fall Goto im  International Religious Freedom Report des Jahres 2010 festgehalten. Goto reichte eine Klage ein gegen seinen Bruder, seine Schwägerin und seine Schwester sowie den professionelen Deprogrammierer Takashi Miyamur und Yasutomo Matsunaga, einem christlichen Pastor. Alle außer Matsunaga wurden für schuldhaft befunden. 

Dan Fefferman, Präsident der International Coalition for Religious Freedom, betonte, dass das Urteil wichtig sei, denn "der wichtigste Deprogrammierer Japans wurde in einem Gerichtshof für schuldhaft erklärt. Das ist bedeutend, denn das macht es ihm schwer weiterhin wie bisher zu agieren." Dem fügte er hinzu: "Das war ein sehr wichtiger Fall, denn es ist sehr selten, dass ein japanisches Gericht zugunsten der Opfer von Deprogrammierung entscheidet." 

Der Mitbegründer des Freedom Rights Project Aaron Rhodes, nannte die Kompensationszahlung von 34.800 € "kümmerlich", aber bestätigte, dass Gotos Fall ein wichtiger erster Schritt bedeutet: "Endlich wacht das japanische Rechtssystem auf was religiöse Diskriminierung anbelangt und wird fähiger zu handeln - trotz gewisser Tabus, die keinen Platz in einer Demokratie haben."

Der Großteil der Kidnappingopfer unter den Mitgliedern der Vereinigungskirche in Japan sind Frauen (80%). Neben Freiheitsraub und psychischer Unterdrückung gehören zu den Deprogrammierungsmethoden auch Deprivationsmaßnahmen wie Schlaf- und Nahrungsentzug sowie körperliche Misshandlung und Vergewaltigung. Insbesondere junge, gebildete Frauen, deren Beitritt zur Neuen Religiösen Bewegung von ihren Familien nicht geduldet wird und deren Angehörige das Engagieren von professionellen 'Faith-breakers' leisten können, gehören zu den Betroffenen.

FOREF Europa gratuliert Herrn Toru Goto zu seinem Durchbruch im Gerichtsprozess gegen seine Deprogrammierer und Kidnapper als wichtige Weichenstellung um Menschenwürde sowie Glaubens- und Gewissensfreiheit als rechtsstaatlichen Standard in Japan zu etablieren. 




QUELLEN:

 


 

Interview des Soziologen Dr. Peter Schulte mit Deprogrammierungsopfer Toru Goto

[Zitiert aus: Schulte, Peter: Neue Religiöse Bewegungen. Gesellschaftliche Dramatisierungsstrategien und soziale Wirklichkeit. Hamburg 2012.]

 

Vom 1.-5. August 2010 veranstaltete die europäische Universal Peace Federation die „European Leadership Conference & Fact Finding Tour to Japan” welche mit dem Titel „Japan's Role in Securing Peace, Stability and Human Rights in North East Asia" beworben wurde. Eine europäische Delegation, bestehend aus Menschenrechtsaktivisten, Wissenschaftlern, Experten für Neue Religiöse Bewegungen, Diplomaten und Botschaftern trafen sich in Tokio, um sich über die Menschenrechtssituation in Japan zu informieren. Insbesondere ging es um Deprogrammierungen, die nach Aussagen der Veranstalter an japanischen Mitgliedern der Föderation [Vereinigungskirche] vollzogen wurden. Auf der Tagung wird die Zahl von 4300 Personen genannt, die teilweise unter der Zuhilfenahme der Polizei, verschleppt und deprogrammiert wurden. Die Betroffenen wiesen ein Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf.

Viele Opfer geben an, dass sie gegen ihren Willen gefangen genommen wurden und die ganze Angelegenheit als Familienproblem herunter gespielt wurde. Diese Aktivitäten widersprechen eindeutig dem Artikel 18 der allgemeinen Menschenrechtserklärung, nämlich der Freiheit des Glaubens oder auch der Freiheit, einen anderen Glauben anzunehmen.

Des Weiteren wurde berichtet, dass die Opfer Deprivationsmaßnahmen wie Schlaf- und Nahrungsentzug ausgesetzt waren und psychologisch beeinflusst wurden. Folge dieser Behandlungsmethoden waren Traumatisierungen, Beziehungsstörungen, Vertrauensverlust und finanzielle Probleme.

Über 100 religiöse Führer sollen an den Entführungen beteiligt gewesen sein. Das Deprogrammierungsprogramm  wurde teilweise in den dazugehörigen Kirchen angewendet. Beispiel einer erzwungenen Konversion ist Toru Goto (*1963). Auf der Tagung gab er an, im Jahr 1995 bei einem elterlichen Besuch gekidnapped und über 11 Jahre in einer Wohnung eingesperrt gewesen zu sein. Des Weiteren berichtete er, dass er von einem Priester und einem professionellen Deprogrammierer „bearbeitet" wurde. Diese belieferten auch seine Eltern mit Falschinformationen. Jeden Tag wurde er mit Gegenpropaganda über Rev. Moon konfrontiert. Als Protest trat er in einen 21-tägigen Hungerstreik. Nach seiner Freilassung lag er 50 Tage im Krankenhaus. Der Fall kam nie vor Gericht.

Ich führte auf der „fact finding tour“ mit Toru Goto ein Interview durch, dessen Inhalt ich an dieser Stelle wiedergeben möchte. Das Interview erfolgte in englischer Sprache, nachfolgend wurde es von mir ins Deutsche übersetzt.
 
P.S.: Herr Goto, Sie sprachen am Nachmittag davon, dass Sie 12 Jahre lang wie in einem Gefängnis lebten. Wie ist das möglich?

T.G.: In einem freien demokratischen Land wie Japan ist das ein unglaublicher Zustand. Wenn ich nicht das Vertrauen in Gott gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich verrückt geworden. Mein Glaube lies mich all die Strapazen aushalten. Ich hatte Angst vor dem Verhungern. Ich konnte als diese Schwierigkeiten bewältigen, weil ich Vertrauen in Gott hatte.

P.S.: Hat denn niemand nach Ihnen gesucht, Freunde oder Verwandte?

T.G.: Alle Familienangehörigen und auch Bekannte waren gegen meinen Glauben und hielten zu meinen Eltern. Meine Freunde und sonstigen Kirchenmitglieder wussten einfach nicht, wo ich war. Es gehörte zu den Taktiken der Deprogrammierer, jegliche Rückrufaufrufe zu eliminieren und die meisten der Angehörigen glaubten nicht, dass ich mich von der Kirche distanzieren würde.

P.S.. Sie sprachen von Priestern und Deprogrammierern. Können Sie mir in wenigen Sätzen erklären, wie dieses Deprogrammierungssystem funktioniert?

T.G.: Zuerst einmal gilt es darum, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, den Verstand zu kontrollieren. Die Deprogrammierer taten das deshalb, weil Sie glaubten, ich sei von der Kirche von Rev. Moon manipuliert worden. Deshalb wiederholten Sie ständig, dass mein Verstand kontrolliert sei. Sie nannten das die geschützte Bewachung. Letztlich isolierten sie mich von der Vereinigungskirche. Sie benutzten das Buch über Gedankenkontrolle von Steven Hassan. Sie nutzen insbesondere zwei Optionen um mich zu brechen, eine beruht auf der Diskrepanz zwischen den „Göttlichen Prinzipien“ einerseits und biblischen Lehrsätzen andererseits. Der andere Punkt war der, dass sie ständig Schlechtes über Rev. Moon berichteten, über angebliche Sexskandale und Geldprobleme. Also zusammenfassend kann man sagen, dass es ihnen darum ging, Rev. Moon und seine theologischen Auffassungen schlecht zu machen.

P.S.: Während Ihrer Gefangenschaft, wie waren da Ihre Gefühle. Waren Sie wütend? Und wie sind Sie damit umgegangen?

T.G.: Eine der schrecklichsten Erfahrungen war sicher die, dass ich durch die ständige negative Beschreibung von Rev. Moon immer unsicherer und argwöhnischer gegenüber Rev. Moon und den „Prinzipien“ wurde. Ich wünschte zu sterben und dachte, Gott wird mich töten. Aber letztendlich konnten meine Zweifel durch mein Vertrauen in Gott aufgelöst werden, selbst nach 12 Jahren Gefangenschaft.

P.S.: Warum ist ausgerechnet die Vereinigungskirche das erklärte Feindbild einiger religiöser Führer, liegt es daran dass sie auch in Japan als eine Neue Religiöse Bewegung  angesehen wird?

T.G.: Ihre Motivation ist unmenschlich, ihr Ziel ist es, die Vereinigungskirche zu zerstören. Ein wesentlicher Punkt ist sicher der, dass die Vereinigungskirche seit den 1970er Jahren eine antikommunistische Bewehung darstellt. Ein anderer Punkt ist der, dass viele christliche Geistliche in der Vereinigungskirche eine Bedrohung  ihres Glaubens sehen. Deshalb haben sie Methoden entwickelt um die Anhänger in ihrem Glauben zu erschüttern. Diese Machenschaften gehen hauptsächlich von protestantischen Priestern aus. Die Polizei und die Justiz mischt sich in solchen Angelegenheiten selten ein. 

P.S.: 12 Jahre Gefangenschaft sind eine lange Zeit. Wie sah ein typischer Tag für sie aus?

T.G.: Das zu beschreiben, ist nicht einfach für mich. Die meiste Zeit beschäftigte ich mich damit, wie ich aus dieser Gefangenschaft fliehen könnte. Eine Zeit lang durfte ich fernsehen und Zeitungen lesen. So verbrachte ich meine Zeit.

P.S.: Wie geht es jetzt weiter?

T.G.: Ich möchte die Erfahrungen der vergangenen Jahre hinter mich lassen. Ich weiß, ich habe viel verloren, aber die Vereinigungskirche wird mir die Kraft geben, mich auch in Zukunft für die Mission von Rev. Moon einzusetzen.

P.S.: Herr Goto, vielen Dank für das Interview.

 


 

FOREF Europe: Digital Press Portfolio (APA)

 


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