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Wer braucht die Bundesstelle für Sektenfragen?
Seit 1998 gibt es die Bundesstelle für Sektenfragen mit Sitz in Wien. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, Informationen über so genannte Sekten zu sammeln, zu dokumentieren und weiter zu leiten. Welcher Natur diese Informationen sind, ist unbekannt. Sind es öffentlich zugängliche Informationen aus den Medien, Berichte von so genannten Aussteigern oder Informationen von den so genannten Sekten selbst?

20.11.2010, 00:35 Read more...


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Wer braucht die Bundesstelle für Sektenfragen?


KOMMENTAR:

Wer braucht die Bundesstelle für Sektenfragen?

von Werner Müller


 

 

Wien 20.11.2010 - Seit 1998 gibt es die Bundesstelle für Sektenfragen mit Sitz in Wien. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, Informationen über so genannte Sekten zu sammeln, zu dokumentieren und weiter zu leiten. Welcher Natur diese Informationen sind, ist unbekannt. Sind es öffentlich zugängliche Informationen aus den Medien, Berichte von so genannten Aussteigern oder Informationen von den so genannten Sekten selbst? Wir wissen es nicht, weil die Bundesstelle keine Auskunft darüber gibt und somit die Transparenz nicht gegeben ist. Von einer öffentlichen, mit Steuergeld finanzierten Stelle, welche mit einem Jahresetat von über 400.000 Euro agiert, dürften sich die Steuerzahler das eigentlich erwarten. (Im Bild: Dr. German Müller - Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen)

Der Verweis der Bundesstelle, einzig und allein Informationen über so genannte Sekten zu sammeln, auszuwerten und weiterzugeben, rechtfertigt nicht den Aufwand von ca. 7 Mitarbeitern. Und überhaupt, was heißt eigentlich Informationen sammeln, wird hier das Fernsehprogramm nach Inhalten zum Thema gesichtet oder die Tageszeitung ausgewertet? Und wenn ja, an wen werden diese medialen „Bedrohungsszenarien“ weiter geleitet, die ja letztlich zur Meinungsbildung beitragen. Es wird uns Bürgern auch keine Akteneinsicht über personenbezogene Daten als auch über das Finanzgebaren der Bundessektenstelle gewährt.

Schauen wir uns einmal die Arbeit und Ergebnisse der Bundesstelle für Sektenfragen der letzten 10 Jahre an, dann ist ernüchternd festzustellen, dass die „Beobachtung“ der „Sekten“ durch diese Einrichtung zu keinem Ergebnis geführt hat. Wo sind die Publikationen, Informationsunterlagen oder die öffentlichen Vorträge, welche die Gefährdungspotenziale von „Sekten“ aufzeigen. Und was hat die mittlerweile über 12jährige Beobachtung dieser Gruppierungen für Ergebnisse mit sich gebracht? Dazu schweigt die Bundesstelle für Sektenfragen. Das, was wir lesen können, sind vereinzelte Jahresberichte dieser Einrichtung, welche in keinster Weise das angebliche Gefährdungspotenzial, welches ja von „Sekten“ ausgehen soll, wirklich beschreibt.

Im letzten Jahresbericht von 2005, der erst 2007 erschien, finden sich Auflistungen von Anfragen an die Bundesstelle, welche überhaupt nicht dokumentieren, welcher Natur diese Anfragen sind. In diesem Bericht wird durch die quantitative Auflistung von Anfragen eine Gefährlichkeit durch „Sekten“ suggeriert, letztendlich aber nicht begründet. Von mehreren tausend Anfragen ist da die Rede. Dass dabei Scientology und die Satanisten ganz oben im Ranking stehen verwundert nicht, eignen sich doch beide, in ihrem Wesen total unterschiedliche Gruppierungen, hervorragend dazu, Aufmerksamkeit und Interesse zu erzeugen. Diese Daten müssen stark angezweifelt werden und zwar aus ganz einfachen Gründen. Erstens kann eine Einrichtung, welche weder Werbung betreibt noch sonst irgendwie in der Öffentlichkeit agiert, dermaßen angefragt werden. Dies ist ein ökonomisches Gesetz, weil das Angebot die Nachfrage bestimmt. Allein die Webseite der Bundesstelle für Sektenfragen ist dermaßen inhaltsleer, dass wir uns fragen, welchen Informationscharakter solch eine Internetpräsenz haben soll?

Es stellt sich die Frage, wer eigentlich die Anfragen an die Bundesstelle für Sektenfragen kontrolliert. Nach Auskunft der Bundespolizeidirektion gab es den letzten 10 Jahren zwei Strafdelikte von „Sekten“. Bei einer prognostizierten Zahl von 600 „Sekten“, erscheint das eher marginal. Wo also sind die angeblichen Manipulationen, Ausbeutungen und Weltherrschaftstendenzen, die „Sekten“ unterstellt werden? Die Bundespolizeidirektion ist da transparent, die Bundessektenstelle nicht.  Es würde schon reichen, wenn die Bundesstelle für Sektenfragen darüber Auskunft geben würde, wie viel Aussteiger aus so genannten Sekten sie in den letzten 12 Jahren betreut hat. Diese Information ist in den Jahresberichten nicht dokumentiert.

Werfen wir einen Blick hinter die Fassade dieser Einrichtung. Da ist zum Einen der Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen, Dr. German Müller, strammer Katholik und studierter Psychologe, eine sich selbst erklärende Mischung aus Demut vor dem Klerus und psychologischer Ökumene. Anders ist es nicht zu erklären, dass er regelmäßige Informationstreffen mit den katholischen und evangelischen Sektenbeauftragten abhält. Mit den Gruppen, die er beobachtet, gibt es keine offiziellen Begegnungen. Wer diesen gottesfürchtigen Menschen einmal kennen gelernt hat, der weiß warum.

Ähnlich wie sein langjähriger Mentor, Friedrich Griess von der Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren (GSK), ist Müller davon überzeugt, dass jeder Form von neuer Religiosität grundsätzlich gefährlich ist und Satanisten "kleine Kinder fressen". Nicht umsonst hat er sein berufliches Quartier direkt am Stephansdom aufgeschlagen, von wo aus er in unmittelbarer Nähe zur Erzdiözese Wien agiert. Dem Einfluss des Klerus verdankt er seine Furcht vor allen Sektierern, Esoterikern und alternativen Heilern. Müller selbst wurde 1998 vom damaligen Familienminister Bartenstein von 13 Kandidaten wegen seiner einschlägigen Erfahrung in der Sektenbekämpfung als 10jähriger Leiter der Wiener Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren (FECRIS), einer Einrichtung mit fragwürdigen Ruf, ausgewählt. Die Befangenheit seiner Person ist offensichtlich, in der Bundesstelle für Sektenfragen arbeiten hauptsächlich katholische und evangelische Theologen. Wissenschaftliche Experten, also Menschen, die mit sachlicher Vernunft und professioneller Recherche den Mythos um die bösen „Sekten“ relativieren, sind dort nicht zu finden.

Nach dem Bundessektenstellengesetz sind staatlich anerkannte Kirchen und Religionsgesellschaften von der Beobachtung durch die Bundesstelle ausgenommen. Diese Klausel ist ein Hohn gegenüber den kleineren religiösen Gemeinschaften, die ja so gefährlich sein sollen. Sie stellen sich letztendlich jeder ehrlichen Frage, auch jeder unbequemen, während insbesondere die katholische Kirche nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus kommt und sich hinter ihrem Heiligenschein versteckt. Groer, Krenn & co, Prügelstrafen in katholischen Erziehungsheimen, sexueller Missbrauch von Minderjährigen, Ausbeutung ihrer eigenen Mitarbeiter, Größenwahn und aggressive Missionierung ganzer Kontinente, Eliminierung eigener Kritiker und und und. Diese Liste könnte beliebig weiter geführt werden.

Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen?  Warum werden völlig harmlose kleinere Religionsgemeinschaften von der Bundessektenstelle in Stasimanier ausspioniert, während die katholische Kirche doch am dringendsten einer staatlichen Monitoring-Stelle bedürfte? Allein eine Einrichtung des Bundes mit dem diskriminierenden Begriff „Sekte“ zu versehen, ein Begriff, der automatisch negative Assoziationen bei den Menschen auslöst, führt zur Frage der Verantwortung der Bundesregierung gegenüber religiösen Minderheiten. Auch sie haben einen Rechtsanspruch vor diskriminierenden Äußerungen und verdienen den Schutz des Staates. Glaubens- und Religionsfreiheit ist ein Grundrecht für alle Menschen dieses Landes. Diese Rechte werden durch einseitige Maßnahmen der Bundesregierung gegenüber kleinen Religionen außer Kraft gesetzt. Vielmehr sollte der Staat das Gespräch mit diesen Minderheitenreligionen suchen, denn er könnte dadurch bekunden, dass er Interesse an religiöser und kultureller Vielfalt hat. Dies wäre ein guter und richtungweisender Weg.

Die Bundesstelle für Sektenfragen hat da ihre Wirkung verfehlt, wo sie die „Beobachtung“ religiöser Minderheiten dem gemeinsamen Gespräch und dem Informationsaustausch vorzieht. In diesem Fall wird die Zielgruppe im vornherein kriminalisiert und ausgegrenzt, ihr wird sozusagen der Stempel des Bösen aufgedrückt und sie hat nicht die Möglichkeit, sich angemessen zu wehren. Solche eine Vorgehensweise stellt eindeutig eine religiöse Diskriminierung dar, welche staatlich legitimiert wird.

Dass das Leitungsteam der Bundesstelle für Sektenfragen mit Menschen besetzt wird, welche in religiöser Hinsicht der katholischen und evangelischen Kirche nahe stehen, ist ungeheuerlich. Diese Besetzung steht im Widerspruch zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität, zu der sich der Staat verpflichtet hat. Gerade die Aufklärungspolitik der Kirchen, denen Müller & co anhängen, hat ein Klima der religiösen Intoleranz geschaffen. In der Bundesstelle für Sektenfragen wird Systemerhaltung erster Güte betrieben, denn sie verharmlost die sektiererische Züge der Großkirchen, indem sie diese auf religiöse Minderheiten überträgt. Somit unterscheidet sie sich nicht von den Sektenjägern der Großkirchen. Und seien wir einmal ehrlich, eine mit Steuergeld finanzierte Einrichtung, welche im Verborgenen arbeitet und ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vorenthält, ist alles andere als seriös. Ich glaube, wenn ein Controlling wirklich einmal die Interna der Bundesstelle für Sektenfragen überprüfen würde, dann würde vom Schreckgespenst der bösen „Sekte“ nur heiße Luft übrig bleiben.

Aufgrund der Brisanz des Themas fordert FOREF ein Gremium, bestehend aus unabhängigen Experten, welches die Bundesstelle für Sektenfragen sowohl wissenschaftlich als auch fachlich begleitet und evaluiert! Insbesondere der Qualität und die Bearbeitung der Anfragen sowie auch der Beratung in der Bundesstelle für Sektenfragen selbst, sollte mehr Aufmerksamkeit als bisher geschenkt werden, denn sie sind aus unserer Sicht die Quelle jeglicher Aussagen über das tatsächliche Gefährdungspotenzial, welches von „Sekten“ angeblich ausgehen soll. Auch die religiösen  Minderheiten, welche die Bundesstelle beobachtet, sollten eine Stimme in diesem Gremium erhalten.

Letzteres könnte die Arbeit von Müller & co in jeglicher Hinsicht fachlich unterstützen und sollte in jährlichen Berichten Empfehlungen an die Bundesregierung abgeben.

FOREF Europa: Digitale Pressemappe (APA)

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Anmerkung der FOREF Redaktion:

Das Forum für Religionsfreiheit - Europa plädiert für eine qualifizierte und objektive Informationsarbeit in der sogenannten "Sektenaufklärung" nach dem Muster der britischen Informationsstelle "INFORM" von Dr. Eileen Barker (London School of Economics). Im Falle Österreichs könnte ein erster Schritt die Einführung eines unabhängigen wissenschaftlichen Experten-Gremiums sein, welches der Bundesstelle für Sektenfragen bei der Arbeit zur Seite steht und gleichzeitig  eine Monitoring-Funktion ausübt.

 


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