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20.11.2010, 00:35 Read more...


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DEUTSCHLAND: Kontroverse um „Zwölf Stämme“


DEUTSCHLAND: Kontroverse um „Zwölf Stämme“ – Soziologin warnt vor gezielter Desinformation durch Sektenexperten

Wie eine Glaubensgemeinschaft durch von FECRIS aufgestachelte Behörden schikaniert wird. Wenden „Sektenexperten“ umstrittene Deprogramming-Methoden an, um Kinder gegen die eigenen Eltern aufzuhetzen?

FOREF berichtet exklusiv. [See English text here.]



Polizeirazzia bei der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ im bayrischen Nördlingen.

Polizeirazzia bei der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ im bayrischen Nördlingen.

 

MÜNCHEN, 19.11.2014 (FOREF) - Vor gut 20 Jahren ließ sich ein Zweig der ur-christlichen Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ auch in Deutschland nieder. Im August 2013 wurde ihnen der Betrieb einer eigenen Schule untersagt, da sie ihre Kinder körperlich – aber in sanfter Weise, wie die Gemeinschaft betont – disziplinieren. Einen Monat später holt die Polizei im Rahmen eines umstrittenen Großeinsatzes 41 Kinder aus der Gemeinschaft in Nördlingen und Wörnitz. Derzeit befinden sich nach mehr als einem Jahr noch 20 Kinder in der Obhut des Jugendamts. Die Religionssoziologin Susan J. Palmer zeigte auf, dass die Ärzte nach den Polizeirazzien im September 2013 keinerlei Beweise für Misshandlungen fanden. Sie kritisiert das blinde Vertrauen der deutschen Behörden gegenüber selbsternannten Sektenexperten, die eine gezielte Desinformations- und Hetzkampagne gegen die Gemeinschaft betreiben.
 


Vorwegnahme:

FOREF distanziert sich von der Anwendung körperlicher Züchtigung, wenn auch in moderater Weise, und lehnt ebenso das unverhältnismäßig harte Eingreifen der Behörden im vorliegenden Fall ab, da dieses bei den Kindern traumatische Langzeitfolgen verursachte.
 


Ende Oktober 2014 entschied das Amtsgericht Ansbach auf Antrag des Jugendamtes jeweils drei Elternpaaren das Sorgerecht endgültig zu entziehen. Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig. Die betroffenen Eltern von sechs Kindern im Alter von 1 bis 6 Jahre haben bereits Beschwerde eingelegt. Auch im Amtsgericht Nördlingen laufen aktuell zwölf weitere Sorgerechtsverfahren, teilte der Direktor Helmut Beyschlag dem Nachrichtenmagazin Spiegel mit. Ein Ende des Streits zwischen den deutschen Behörden und den Zwölf Stämmen ist nicht abzusehen.

Bereits im Jahr 1984 wurde in den USA den „Zwölf Stämmen“ vorgeworfen, ihre Kinder zu misshandeln, worauf  112 Kinder im Rahmen einer ersten polizeilichen Aktion in die staatliche Obhut genommen wurden. Auch die Eltern der Kinder wurden inhaftiert. Am gleichen Tag verurteilte der zuständige Richter Frank Mahady die Aktion als verfassungswidrig, worauf die Kinder wieder freigelassen wurden. Da sich die Vorwürfe auch nach weiteren Ermittlungen nicht erhärteten, wurde die Anklage kurze Zeit später wieder aufgehoben.

In Deutschland wiederholt sich die Geschichte, allerdings mit folgendem Unterschied: Neben Individuen wie „Karriere“-Aussteiger Robert Pleyer, Focus-Reporter Axel Wolfsgruber oder der RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk , die persönlich von der medialen Aufmerksamkeit profitieren, ist es vor allem die umstrittene Anti-Kultorganisation FECRIS (Wikipedia-Artikel über FECRIS), die hinter der gezielten Hetzkampagne gegen die Glaubensgemeinschaft steht und durch „Sektenexperten“ (wie z. B. Sabine Riede oder Wolfgang Behnk) operiert, um religiöse Sondergemeinschaften zu stigmatisieren. Indem öffentliche Angst vor „sektiererischen Abweichungen“ (im originalen FECRIS-Slang: dérives sectaires) geschürt wird, legitimiert die Antikultlobby ihre eigene Existenz als „Expertenpool“ und lukriert öffentliche Gelder für ihre „Informations- und Beratungstätigkeit“.

 

 

1. Chronologie eines Skandals: Polizeirazzien in Nördlingen und Wörnitz - 41 Kinder abgeführt, Hausdurchsuchungsbeschluss wurde „nachgefaxt“

Im Morgengrauen des 5. Septembers 2013 rückten rund 30 Einsatzfahrzeuge der Polizei in Klosterzimmern, dem Anwesen der „Zwölf Stämme“ beim bayrischen Nördlingen, an. Da die Gemeinschaft an jenem Tag einen Feiertag feierte, fand die Morgenversammlung, die üblicherweise um 6 Uhr stattfindet, erst später statt und die meisten Mitglieder der Gemeinschaft schliefen noch. Ein 23-jähriger Glaubensbruder, der kurz nach 6 Uhr die Kuh melkte, sah das Polizeiaufgebot als Erster. Er fragte die Beamten was denn los sei und bat nach einer Durchsuchungsbefugnis. Statt diese vorzuweisen wurde gedroht, ihn abzuführen, wenn wenn er „weiterhin Widerstand leisten“ würde. Die Polizei umstellte das gesamte Gelände und stürmte die Festhalle, in der die Morgenversammlung vermutet wurde. Stattdessen fand sie einen leeren Saal vor.

Kurz darauf wurden in jedem Haus des Anwesens die Bewohner geweckt. Die Beamten befahlen den völlig perplexen Mitgliedern der Gemeinschaft sich in einem der Wohnzimmer zu versammeln. Nach deren Aussagen wirkten die über 100 angerückten Beamte, die zum großen Teil mit Kampfanzug, Schlagstöcken und Pistolen ausgerüstet waren, äußerst bedrohlich und furchteinflößend auf Eltern wie Kinder.

Im Wohnzimmer wurde dann ein vom Amtsgericht verfasster Beschluss von Frau Gudrun Hieble, der Vertreterin des Landratsamtes, vorgelesen. Das Schreiben, welches explizit nicht ausgehändigt werden durfte, besagte, dass Pfleger des Jugendamts bereits bestellt wurden und die minderjährigen Kinder der Glaubensgemeinschaft mitgenommen werden müssten. Zudem wurde ein Merkblatt, das über die nun für die Kinder zuständigen Instanzen informierte, ausgelegt. Frau Hieble behauptete später gegenüber der Gemeinschaft, dass auch sie überraschenderweise am selben(!) Morgen den Beschluss vom Amtsgericht erhielt sowie den Auftrag bekam, den Beschluss zusammenzufassen und ihn der Glaubensgemeinschaft mitzuteilen. Da die Mitglieder der „Zwölf Stämme“ darauf bestanden hatten, einen Hausdurchsuchungsbeschluss zu sehen, wurde dieser um 8 Uhr durchgefaxt. Nachdem die Kinder abgeführt wurden, suchte die Polizei nach Beweismitteln vor Ort, um den Beschluss zur Inobhutnahme der Kinder durch das Jugendamt nachträglich zu rechtfertigen.

Allerdings ohne Erfolg.  Auch die Ärzte, die noch am selben Tag medizinische Untersuchungen an den Kindern durchführten, fanden keinerlei Beweise für Misshandlungen.

Der Hintergrund des Großeinsatzes: Am 16. August 2013 lancierten Sabine Riede, die "Sektenbeauftragte" von Sekten-Info NRW (einer Mitgliedsorganisation von FECRIS, siehe auch die ausführliche wissenschaftliche Studie zu FECRIS, erschienen im Fachjournal "Religion - Staat - Gesellschaft" (2012/2)) und der RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk die Einschaltung des Amtsgerichts Nördlingen, um gegen die „Zwölf Stämme“ vorzugehen. Kurz davor wurde auch ein lokaler Jugendamtsleiter in die Aktion eingeweiht. Bereits zwei Wochen später wurde am 1. September vom Amtsgericht beschlossen mittels einer Polizeirazzia die Kinder der Glaubensgemeinschaft in Nördlingen und in Wörnitz abzuholen und in staatliche Obhut zu nehmen. 

 

Sabine Riede – Evangelische „Sektenexpertin“ und FECRIS-Mitglied. 


Obwohl keine Beweise vorlagen, die nachhaltige körperliche und psychische Schädigungen der Kinder in der Glaubensgemeinschaft bestätigen würden, wurde kollektiv das einstweilige Sorgerecht der Eltern dem Jugendamt übertragen. Schließlich verließen sich die Behörden lieber auf einen anonymen Bericht  eines vorgeblichen Aussteigers, der im August 2013 von Kuhnigk (!) zugemailt und auf der Webseite von Sekten-Info NRW veröffentlicht wurde, als auf sorgfältige soziologische Studien* zur Glaubensgemeinschaft der „Zwölf Stämme“ (*Literatur siehe unten). 

Synchron zur Razzia in Klosterzimmern bei Nördlingen fand auch in Wörnitz ein Polizeieinsatz statt. Und so wurden an jenem Tag in beiden Gemeinden insgesamt 41 Kinder abgeführt. In Klosterzimmern waren zwölf Familien mit 29 Kindern betroffen, in Wörnitz waren es fünf Familien mit insgesamt 12 Kindern. 

Selbst die Söhne und Töchter von Gastfamilien, die damals zu Besuch bei den Zwölf Stämmen waren, wurden mitgenommen. Am gleichen Tag wurden 7 Kinder von Eltern, die nur zu Besuch bei der Glaubensgemeinschaft waren, wieder zurückgeschickt. Eine Mutter aus Israel ließ sich ihr Kind gar nicht erst wegnehmen. Sie konnte den Beamten ihren israelischen Pass vorweisen und ließ ihr Kind nicht los. Sie wurde nach einigem verbalen Hin und Her letztendlich in Ruhe gelassen. Die deutschen Behörden haben mittlerweile doch gewisse Hemmungen, einer Jüdin das Kind wegzunehmen.

Ein Elternpaar aus Argentinien, das kein Deutsch spricht, hatte weniger Glück. Sie versuchten stundenlang das argentinische Konsulat zu kontaktieren, jedoch ohne Erfolg. Ihr drei-jähriges Kind wurde schließlich zu einer Pflegefamilie gebracht, die nicht Spanisch spricht. Erst neun Tage (!) später bekam die Familie das Kind zurück. Bei der Anhörung wurde festgestellt, dass das Amtsgericht in den Vorbereitungen zur Polizeirazzia äußerst unprofessionell und überstürzt vorgegangen war. Dieses Kind hätte sowie die anderen sieben Kinder der Gastfamilien von Anfang an gar nicht mitgenommen werden dürfen.

Die zweite Razzia fand in Dürrlauingen (Kreis Günzburg) im Mutter-Kind-Haus des Sankt-Nikolaus-Heimes statt. Dort waren drei Mütter der "Zwölf Stämme" untergebracht, die bei der ersten Razzia nicht von ihren Kindern getrennt werden sollten, da sie ihre Kinder noch stillen. Sie wurden von den Behörden unter Beobachtung gestellt, mit der Forderung, ihre Kinder abzustillen.

Am Morgen des 9. Dezember 2013 um 7 Uhr klopften Behörden des Jugendamts und der Polizei an der Tür.  Es gab keine Vorankündigung. Ein Beobachter der Razzia war völlig entsetzt, welche schrillen Schreie er hörte, als die Polizisten reingingen und den Müttern die Kinder wegrissen. Eine der Mütter, die 27-jährige Raissa Santos Reip, wollte ihre Tochter noch ein letztes Mal stillen. Dieser Wunsch wurde ihr nicht gewährt: Zwei Beamte drehten ihre Arme nach hinten und nahmen ihr das Mädchen weg. (Videobericht der betroffenen Mutter und ihrem Ehemann hier.)

Die Polizei nahm alle drei Babys und vier ältere Geschwisterkinder mit und führte sie in jeweils anderen Autos ab. Jedes Kind wurde zu einer eigenen Pflegefamilie gebracht, um die Kommunikation untereinander zu unterbinden. (Siehe auch Mayr, Stefan: „Mit aller Gewalt“, Süddeutsche Zeitung, Nr. 11, 15.01.2014, Seite 3.)

Der Kontakt der Kinder zu ihren Eltern wird streng kontrolliert und zu den Geschwistern, Freunden und Verwandten kaum ermöglicht, es sei denn sie distanzieren sich von der Gemeinschaft.  In der Regel wird den Eltern alle zwei bis drei Wochen eine Besuchszeit von maximal zwei Stunden gewährt. Die Räume, in den denen der Umgang stattfindet, dürfen nicht verlassen werden bzw. nur unter strenger Bewachung. Aus rein humaner Sicht ist es fraglich, ob dieses brutale Vorgehen des Staates gegen die Eltern und Kinder der „Zwölf Stämme“ verhältnismäßig ist. Derzeit befinden sich noch 20 Kinder nach einem Jahr unter der Obhut des Jugendamts. Zehn Kinder konnten innerhalb von fünf Monaten legal zurück nachhause kehren. Der Kontakt zwischen den Pflegeeltern, bei denen Kinder unter 12 Jahre untergebracht sind, und den leiblichen Eltern ist von der Behörde nicht erwünscht.

Am 1. Juli 2014 fand die dritte Polizeiaktion in Klosterzimmern statt (Fotos dazu hier). Zwei Mädchen (11 und 13 Jahre alt), die im Februar und März 2014 aus ihren jeweiligen Jugendheimen geflüchtet waren, sollten wieder der Obhut des Jugendamtes zurückgeführt werden. Ein umfassendes Sachverständigengutachten, das feststellen sollte, ob die Eltern erziehungsfähig sind, konnte das Familiengericht nicht einholen, da die Eltern der betroffenen Kinder sich weigerten ein Gespräch mit dem jeweiligen Gutachter zu führen. Indizien einer Kindswohlgefährdung lagen jedenfalls nicht vor. Und dennoch lehnte das Gericht den Verbleib der Kinder bei der Glaubensgemeinschaft ab, während sich die Richter weigern das Beweisangebot der „Zwölf Stämme“ anzunehmen und diesen nachzugehen. Die fast 100 Beamten, die die Razzia in Klosterzimmern durchführten, konnten die Mädchen auf dem Anwesen der „Zwölf Stämme“ nicht finden.

Die „Zwölf Stämme“ sind nicht als eigene Rechtskörperschaft organisiert, daher muss jede Familie einzeln ihre rechtliche Situation klären. Zwei Familien haben sich aufgrund der amtlichen Schikane und der Polizeirazzien gegen die Glaubensgemeinschaft offiziell von den „Zwölf Stämmen“ distanziert. Die Gerichtsverfahren in Ansbach und Nördlingen sind noch nicht abgeschlossen. 

 


 

2. Enorme Kosten für den Landkreis: Finanzielle Zuschüsse notwendig – Absicht?

Eines steht fest: Die umstrittene Fremdunterbringung der Kinder verursacht dem Landkreis Donau-Ries enorme Kosten. Für das Jahr 2014 beanspruchte der Bereich Jugendhilfe im Haushaltsplan des Landkreises laut Augsburger Allgemeine fast 700.000 Euro mehr als bisher. Der Jugendamtsleiter Alfred Kanth erklärte, das Landratsamt werde „Zuschüsse beim Bezirk Schwaben als auch beim bayerischen Sozialministerium in München beantragen“.

Der Landrat von Donau-Ries, Stefan Rößle, verweigert jegliche Kommunikation mit der Glaubensgemeinschaft. Er soll als erste Amtshandlung die erste Razzia bei der Gemeinschaft der Zwölf Stämme wegen Homeschooling veranlasst haben. Mittels einer groß angelegten Kampagne gegen die Kommune, streben örtliche Behörden wohl an, Zuschüsse „von oben“ zu erhalten. 

 

3. Psychologen kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen bezüglich körperlicher Züchtigung 

Trotz umstrittener Polizeieinsätze fehlen die Beweise für Misshandlungen durch die Gemeinschaft nach wie vor. Alfred Kanth, der Leiter des zuständigen Jugendamts Donau-Ries erklärte im April 2013 dem Nachrichtenmagazin Spiegel, dass alle vier bis sechs Wochen Mitarbeiter des Jugendamts auf dem Hof zu Besuch seien. "Wir erleben dort fröhliche, wohlerzogene und altersgemäß entwickelte Kinder, die an ihren Eltern hängen", schilderte damals der Jugendamtsleiter.


Im Gespräch mit SZ-Journalisten Stefan Mayr erklärt ein 37-jähriger Vater der „Zwölf Stämme“, dass er einen Unterschied sieht zwischen einer „liebevollen Korrektur, ohne Schaden zuzufügen“ und einem unkontrollierten emotionalen Ausbruch. Die gewaltsame Erzwingung der Inobhutnahme durch die staatlichen Behörden wäre völlig überzogen und stelle einen großen seelischen Schock für die Kinder dar. Tatsächlich ist ein solcher Schritt des Jugendamts das letzte Mittel, wenn keine anderen Maßnahmen zum Schutz des Kindes greifen. Allerdings fand der erste Kontakt mit dem Jugendamt für zehn der zwölf betroffenen Familien zum ersten Mal während(!) der Razzia statt. 

Die oft behauptete Meinung, dass es zur Lehre oder Praxis der „Zwölf Stämme“ gehöre, den Willen der Kinder zu brechen, entspreche nicht den Tatsachen, erklärt Barak, ein Glaubensbruder der „Zwölf Stämme“ gegenüber FOREF: „Stattdessen geht es den Eltern darum, den Willen der Kinder zu stärken, sodass sie zu reifen, gefestigten Persönlichkeiten heranwachsen, die gelernt haben Gut und Böse zu unterscheiden und ihren Nächsten zu respektieren.“ Dies bestätigte vor dem Amtsgericht Ansbach auch ein ehemaliges Mitglied aus Belgien, der inzwischen zwei Firmen mit ca. 20 Angestellten innerhalb von zwei Jahren seit seinem Ausstieg aufgebaut hat und noch heute kein schlechtes Wort über die Gemeinschaft verliert. Zudem gibt es auch etliche Beispiele von Kindern, die in der Gemeinschaft aufgewachsen sind und sich als junge Erwachsene entschlossen, die Gemeinschaft zu verlassen, einen höheren Bildungsweg einzuschlagen und diesen erfolgreich abschlossen. Seit der tendenziösen Darstellung der Gemeinschaft durch den RTL-Reporter Kuhnigk, werden vor Gericht lediglich Aussteiger aus Kuhnigks Einflusskreis als „Zeugen“ vor Gericht geladen.

Rüdiger Eisenhauer, ein vom Ansbacher Gericht als Gutachter beauftragter Psychologe, der die Kinder der „Zwölf Stämme“ im Alter von drei bis fünf Jahren untersuchte, kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass die maßvolle Züchtigung der „Zwölf Stämme“ zu psychischen Spätschäden wie „Depression, Drogenmissbrauch oder Phobien“ führen könne. Der Sachverständige bestätigte auf Nachfrage auch, dass seine Informationen nicht von direkten Quellen stammen, sondern lediglich vom Hörensagen entnommen sind (Eisenhauer im O-Ton: „Was man so hört…“). Eisenhauers unbelegten Behauptungen werden vor Gericht als Grundlage berücksichtigt.

 Der ortsansässige Kinderpsychologe von Nördlingen meint hingegen: „Wenn ich mir die Jugendlichen der Glaubensgemeinschaft anschaue, dann wird mir sofort klar, dass ihre Kinder nicht misshandelt werden.“ Das bestätigte auch ein lokaler Kinderarzt, der keine Anzeichen von Traumatisierung bei den Kindern der Gemeinschaft feststellen konnte.

Die Gutachten der Hausärzte, vom genannten Kinderpsychologen und von einem Schulpsychologen, die mit den Kindern der „Zwölf Stämme“ bestens vertraut waren, wurden aber gar nicht erst vom Amtsgericht Nördlingen beachtet. 

Die Meinungsunterschiede zwischen den "Zwölf Stämmen" und dem Jugendamt sind auf unterschiedliche Gewaltbegriffe zurückzuführen. Die umstrittenen Razzien der Polizei stellen die Frage nach der Verhältnismäßigkeit vom staatlich sanktionierten Einsatz von psychischer, verbaler und körperlicher Gewalt gegen die Kinder und die Eltern der Glaubensgemeinschaft. Zumal wurden nach ärztlichen und psychologischen Untersuchungen weder Spuren von Schlägen noch mentale Auffälligkeiten bei den Kindern gefunden. Letztlich muss das Kindeswohl abgewogen werden: Geht es den Kindern in den Heimen, wo sie mit schwer erziehbaren Kindern untergebracht werden, oder bei fremden Pflegeeltern psychisch tatsächlich besser als bei ihren leiblichen Eltern, die „maßvolle Disziplinierung in Liebe“ als legitime Erziehungsmethode betrachten? 

 

 

4. Eidesstattliche Erklärung von Religionssoziologin und Zwölf-Stämme-Forscherin: Behauptungen von sog. Sektenexperten sind unsachlich und unseriös – Justiz befangen? 

Soziologen und Religionswissenschaftler beschäftigen sich intensiv mit der Erforschung von Neuen Religiösen Bewegungen und verfügen grundsätzlich über die notwendige Fachkompetenz das Weltbild, die ethische Praxis und die soziale Struktur solcher Gemeinschaften der Öffentlichkeit verständlich zu machen. Umso erstaunlicher ist es, dass deutsche Gerichte ausgerechnet evangelische und katholische Sektenbeauftragte als „Sachverständige“, „Zeugen“ und „Gutachter“ zu Rate ziehen. Die fiktiven und klischeehaften Beschreibungen dieser ungeprüften Laien gelten vor deutschen Gerichten automatisch und unhinterfragt als Beweismaterial.

Die anerkannte Religionssoziologin Susan J. Palmer (Affiliate Assistant Professor an der Concordia University Montreal, Mitglied der religionswissenschaftlichen Fakultät der McGill University), hat seit 1987 die Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ erforscht und bereits mehrere Lexikoneinträge sowie Buchkapitel und Peer-Review-Zeitschriftenartikel über die „Zwölf Stämme“ (bzw. die „Messianischen Gemeinschaften“ oder die „Northeast Kingdom Community Church“, wie die Gemeinschaft früher hieß) verfasst. Sie besuchte verschiedene Niederlassungen der „Zwölf Stämme“, u. a. in in Vermont und Massachusetts (USA), in Winnipeg (Kanada), in Sus (Frankreich), in Bayern sowie und in der Tschechischen Republik.

Palmer kritisiert das unsachliche und unseriöse Vorgehen der sog. Sektenexperten. Diese gehen „unwissend, nachlässig und unverantwortlich“ vor und verbreiten „ein wertendes, mit Vorurteilen behaftetes, voreingenommenes, stereotypes Bild“ über Neue Religiöse Bewegungen, zu denen auch die „Zwölf Stämme“ zählen, erklärt Palmer in ihrer eidesstattlichen Erklärung an die Gerichte (verfasst im Oktober 2014). So seien die Behauptungen der Katholikin Klaudia Hartmann, die am 13.09.2013 in einer Gerichtsanhörung gegen die Eltern der „Zwölf Stämme“ in Wörnitz ausgesagt hat, gekennzeichnet von blanker Ignoranz über die Glaubensgemeinschaft. Die „Zwölf Stämme“ vertreten weder ein dualistisches Weltbild, noch isolieren sie sich vom Rest der Gesellschaft, noch lehnen sie die moderne Medizin ab.  Die Expertin weist auch darauf hin, dass der Mythos von der manipulativen „Sekte“, die ihre gutgläubigen Opfer ausnutzt, im völligen Widerspruch steht zur wiederholten Beobachtung, dass die „Stämme“ sich konstruktiv in der Gesellschaft einbringen und kooperative Beziehungen zu den lokalen Gemeinden pflegen. Auch praktizieren sie Wohltätigkeit gegenüber Heimatlosen oder Kranken, die Nicht-Mitglieder sind und auch nicht beabsichtigen Mitglieder zu werden.

Die Soziologin kritisiert den kollektiven Entzug des elterlichen Sorgerechts über die Kinder durch die deutschen Behörden, da die zum Teil erfundenen Aussagen der sog. Sektenexperten eine „völlig unzureichende Grundlage“ für einen gerichtlichen Beschluss darstellen. In ihrer Erklärung beschreibt Palmer die Lebensweise und wesentlichen Glaubensinhalte der „Zwölf Stämme“. In den USA ist der Anteil der Aussteiger unter den Mitgliedern der zweiten Generation zeitweise mit 50 bis 80% relativ hoch. Ihrem Eindruck nach beschreiben allerdings auch Aussteiger der zweiten Generation relativ glückliche Kindheiten. Als junge Erwachsene entscheiden viele die Welt zu erkunden und die Gemeinschaft zu verlassen. Manche treffen diese Entscheidung, nachdem sie eine Glaubenskrise durchleben, andere sind mit den Regeln oder der Organisation nicht einverstanden, während andere nur die Arbeit wechseln möchten.

Palmer beschäftigte sich auch intensiv mit dem Phänomen des „Karriereaussteigers“: Das sind ehemalige Mitglieder, die mittels ihrer Ausstiegs-Story mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Übertreibungen und Fiktion sind kein untypisches Muster in solchen Erzählungen, die nicht immer für bare Münze genommen werden können.

Bezüglich des harten Vorgehens der deutschen Behörden in Nördlingen und Wörnitz kritisiert Palmer die unnötige Verletzung der Rechte der Kinder und Eltern. Es sei falsch die Kinder gewaltsam von ihren Eltern zu trennen, „da die Ärzte nach den Razzien im September 2013 keinerlei Beweise für Misshandlungen gefunden haben“.  Aufgrund ihrer Forschungen und Erfahrungen mit ähnlichen Fällen von Razzien gegen andere Religionsgemeinschaften, kennt Palmer den Schaden, den Kinder in solchen Situationen erleiden. Sie appelliert an die Gerichte, die wissenschaftliche Forschung von anerkannten Fachleuten zu Rate zu ziehen.

Einige weitere Auffälligkeiten im Gerichtsprozess, auf die der Rechtsanwalt der Gemeinschaft, Michael Langhans, hinweist: Die Gerichte haben dem umstrittenen RTL-Reporter Kuhnigk vor seiner zweiten Aussage seine erste Aussage lesen lassen, damit er sich nicht widerspricht. Kuhnigk durfte das Gericht, um nachträgliche Änderung seiner Aussage mindestens zweifach bitten, ohne dass diese Änderungen in den Vermerken kenntlich gemacht sind. Die zuständige Richterin, Frau Roser, möchte nicht sagen mit welchen Personen sie im Vorfeld der Gerichtsprozesse bezüglich den „Zwölf Stämmen“ gesprochen hat und leugnete eine Absprache mit der „Sektenexpertin“ Riede. Riede hingegen behauptete das Gegenteil.

5. Das Big Business der „Sektenexperten“ 

Kirchlich oder staatlich finanzierte Sektenexperten fühlen sich nicht verpflichtet sich ein Bild einer bestimmten Gemeinschaft vor Ort zu machen – wie etwa professionelle Forscher wie Soziologen oder Religionswissenschaftler. Trotzdem werden in Deutschlands Gerichten solche Laien, die zumeist nur unzureichend fachliche oder methodische Qualifikation vorweisen und vor allem konfessionelle Interessen vertreten, als Sachverständige und Gutachter zu Rate gezogen.

FOREF erstellte eine Liste von umstrittenen „Sektenexperten“, die im Fall der „Zwölf Stämme“ durch die Verbreitung typischer Sektenklischees und durch substanzlose Pauschalverurteilungen von Neuen Religiösen Bewegungen negativ auffielen:


Eine beachtliche Zahl jener "Sektenexperten", die FECRIS nahestehen, wurde bereits rechtskräftig verurteilt. Zu den Anklagepunkten gehören u. a. Verhetzung (hate speech) oder die gewaltsam erzwungene De-Konversion mittels Kidnapping und Deprogrammierung. Ein solcher Fall war Heide-Marie Cammans, die Gründerin von Sekten-Info Essen (seit 2007 Sekten-Info NRW genannt). Sie wurde am 19. Dezember 2001 vom Landgericht München wegen Verhetzung und Verleumdung einer hinduistischen Gruppe (Takar Singh) rechtskräftig verurteilt (Az. 9 O 8726/99, Landgericht München I). Da Sekten-Info Essen e. V. befangene Darstellungen verbreitete, verurteilte am 27. März 1992 das Bundesverwaltungsgericht in Berlin zudem dessen Finanzierung durch öffentliche Gelder (Az.: BverwG 7 C 28/90).

Cammans schreibt im Januar 2003, in Erinnerung an ihre Karriere als „Sektenexpertin“ bei Sekten-Info Essen e.V., dass die Jahre nach dem Gerichtsurteil des Bundesverwaltungsgerichts „durchgängig von ständigen Geldsorgen geprägt“ waren. Also ging sie gemeinsam mit Sabine Riede, der jetzigen Geschäftsführerin von Sekten-Info NRW e.V., auf Sponsorensuche: "Und damit hatten wir immerhin so viel Erfolg, dass es immer irgendwie weitergehen konnte,“ schreibt Cammans. „Ganz besonders erwähnen möchte ich jene evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, die uns mit jährlichen Spenden bzw. mit der Überweisung einer Kollekte sehr geholfen haben und - ich darf meine Bitte gleich anschließen - hoffentlich auch weiterhin mit Zuwendungen bedenken werden."

Allein aufgrund dieser Art der konfessionellen Finanzierung ist die Objektivität dieser Beratungsstelle in Frage zu stellen. Die in Sekten-Info NRW e. V. umbenannte Einrichtung wird laut eigenen Angaben mittlerweile wieder durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert.

 

6. Werden die in staatliche Obhut genommenen Kinder von kirchlichen „Sektenexperten“ deprogrammiert? 

Am 19. Juli 2014 arrangierte das Jugendamt ein dreistündiges Treffen an einem nicht bekannt gegebenen Ort zu dem die Pflegeeltern und Heimerzieher von Zwölf-Stämme-Kindern sowie die Kinder in staatlicher Obhut eingeladen wurden, um von „Sektenexperten“ über den „Umgang mit Sekten-Kindern“ belehrt zu werden. Die betroffenen Eltern durften daran nicht teilnehmen und erhoben Einspruch gegen dieses Treffen. Dieser wurde prompt abgewiesen. Tatsächlich wurden bei diesem Treffen die Eltern kritisiert und die Pflegeeltern einseitig und falsch über angebliche Glaubensinhalte der Gemeinschaft „beraten“. 

Hier vernachlässigte das Jugendamt massiv den Schutz der Eltern-Kind-Beziehung und verletzte in grober Weise die im deutschen Grundgesetz verankerte Gewissens- und Glaubensfreiheit der Eltern und Kinder der „Zwölf Stämme“. Zudem schenkt das Jugendamt blindes Vertrauen an selbsternannte Experten, die sich weder in wissenschaftlich-systematischer Weise mit der betreffenden Glaubensgemeinschaft beschäftigt noch die nötigen Kompetenzen dazu haben. Die Gegner neuer religiöser Bewegungen beeinflussen die Kinder mit ihrem Schwarz-Weiß-Weltbild, sodass diese eventuell gegen ihre Eltern aussagen könnten. Somit wird versucht das umstrittene behördliche Vorgehen gegen die Gemeinschaft und die zweifelhafte Expertise der Berater nachträglich zu legitimieren.

Frau Kundinger vom Landratsamt Donau-Ries weist den Vorwurf der Indoktrination zurück und möchte die Belehrung der Pflegeeltern durch die Sektenexperten lediglich als „Pflegeelternschulung“ bezeichnet wissen, so in ihrem Schreiben an das Amtsgericht Nördlingen vom 18. Juli 2014.

Gegen die Praktiken der „Sektenexperten“ (Wahrheitsmonopol und Gedankenkontrolle) in Kombination mit jenen des Jugendamts (nämlich Isolation der Kinder von der Herkunftsfamilie, Kontakt- und Kritikverbot) sind die Eltern der Glaubensgemeinschaft selbst mit rechtlichen Mitteln machtlos.

 

 

7. Razzia und Jugendheim: Traumatische Erlebnisse für die Kinder 

„Ich fand diesen Eingriff in unser Privatleben sehr brutal und aggressiv,“ schilderte die damals 17-jährige Eva in einem Brief vom 23.09.2013 an Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ich liebe mein Leben dort in der Gemeinschaft und würde mir nie etwas anderes wünschen, zumindest nicht jetzt.“ 

Die damals 14-jährige Besorah erzählte: „Ein anderes schlimmes Erlebnis war, als ich drei Stunden lang von der Kripo vernommen wurde. Ich wurde unter Druck gesetzt, zu lügen und meine Mutter zu beschuldigen.“ Ihre Briefe an das Jugendamt und die zuständige Richterin wurden nicht beantwortet.

Erst neun Tage nachdem sie ins Jugendheim gebracht wurde, durfte Sarah (damals 16 Jahre alt) für zehn Minuten mit ihren Eltern telefonieren. Nach fünf Wochen durfte sie ihre Eltern wiedersehen und drei Monate später durfte sie zurück nach Hause. „Ich verstehe es gar nicht, warum man den Lügen glaubt, die über meine Eltern gesagt wurden. Diese Zeugen, die diese ganzen Lügen verbreiteten, sollen aufhören und keine fröhlichen Familien zerstören,“ schrieb der 14-jährige Helez. Im Vorfeld der ersten Razzia mobilisierte die „Sektenexpertin“ Riede sechs Aussteiger der Glaubensgemeinschaft, um das Amtsgericht auf einen Einsatz einzustimmen.

Die 12-jährige Chaninah meinte, das Jugendamt wolle sie überreden, dass es ihr im Heim viel besser gehe als zuhause. Ihr mache es allerdings etwas „in der Seele kaputt“, wenn sie nicht bei ihren Eltern sein darf, schrieb sie in einem Brief an den Landrat von Donau-Ries, Stefan Rößle.

Nechonah, die 12-jährige Freundin von Chaninah, schrieb an Herrn Manfred Prexl, Richter des Oberlandesgerichts, dass ihre Eltern ihren Willen nicht brechen würden. Sie gibt ihre Sicht der Dinge kund: „Das Jugendamt sind diejenigen, die meinen persönlichen Willen brechen. Sie schicken sogar Kriminalpolizei, um mich hier raus zu holen. (…) Ich bin ein einfaches 12-jähriges Kind, das eine Meinung hat und sie zeigt. Nämlich, dass ICH ZUHAUSE BLEIBEN WILL!“

 

8. Verweigerung des medialen Mobbings

„Das Geheimnis der Sekten: Gehirnwäsche oder Wahres Glück“ (ausgestrahlt am 22.11.2013) und „Wenn Glauben gefährlich wird: Die Macht der Sekten“ (ausgestrahlt am 11.11.2014), so lauteten Titel der Talk-Show von Sandra Maischberger in der ARD. Die selbsternannte „Sektenexpertin“ Riede (FECRIS-Mitglied!) durfte in beiden Sendungen ihr Schwarz-Weiß-Weltbild und ihre polemischen Pauschalurteile gegen religiöse Minderheiten wieder zum Besten geben. Persönlich hat sie die Gemeinschaft der „Zwölf Stämme“ noch nie besucht, geschweige denn mit aktiven Vertretern gesprochen.

Die „Zwölf Stämme“ waren bei letzterer Sendung ebenfalls eingeladen worden. Die Gemeinschaft stellte aber eine Bedingung an Frau Maischberger: Vertreter der Gemeinschaft wollten persönlich an der Diskussion teilnehmen können und nicht nur über Skype interviewt werden. Frau Maischberger lehnte dies ab mit der Begründung, dass das „den Aussteiger zu sehr belasten“ würde. Ebenso wurde Michael Langhans, der Rechtsanwalt der Glaubensgemeinschaft, zu einem Skype-Interview eingeladen, was die Gemeinschaft ebenfalls ablehnte, da der Ersuch eine Selbstdarstellung zu bringen nicht genehmigt wurde.

Direkt nach der Sendung veröffentlichte Frau Maischberger ein Statement auf Twitter, worin sie behauptete, dass die „Zwölf Stämme“ die Schuld an einer (von Geburt an bestehenden) mentalen Störung eines ehemaligen Mitglieds hätten. Das abgedroschene Sektenklischee und die Intoleranz gegen Gläubige religiöser Minderheiten in den deutschen Medien hält sich hartnäckig. Denn in Deutschland gibt es keine Lobby für Religions- und Glaubensfreiheit.

 

 


 

 

 


FOREF stellt angesichts des umstrittenen Vorgehens gegen die urchristliche Glaubensgemeinschaft folgende Fragen an die deutschen Behörden und Medien:

  • Ab wann ist der Staat berechtigt mithilfe der Exekutive einzugreifen und den Eltern einer religiösen Gemeinschaft kollektiv und ohne Berücksichtigung des Einzelfalls die Kinder zu entreißen?
     
  • Norbert Ziegler vom Jugendamt Donau-Ries meinte zum Verbot des Verzehrs von Schweinefleisch in der Glaubensgemeinschaft: „Ja wenn es den Kindern doch schmeckt.“ Auch die erwünschte Teilnahme an wichtigen Feiertagen der „Zwölf Stämme“ wurde den Kindern in Obhut nicht gestattet. Darf der Staat im Falle eines Eingriffs in das Sorgerecht auch gegen die Überzeugungen der Eltern angehen?  
     
  • Das gemeinschaftliche Umfeld der „Zwölf Stämme“ gilt laut Schulpsychologen, Religionssoziologen und den meisten Aussteigern als grundsätzlich kinderfreundlich. Ist die erzwungene Inobhutnahme von Kindern durch das Jugendamt, deren Trennung von ihren Eltern und ihre seelische Isolation ein verhältnismäßiger Ersatz?
     
  • Wer kontrolliert die massive verbale Gewalt sowie regelrechte Hassreportagen der Medien gegenüber den „Zwölf Stämmen“? 
     
  • Ärzte fanden nach den Razzien gegen die „Zwölf Stämme“ im September und November 2013 sowie im Juli 2014 keinerlei Spuren von Misshandlung an den Kindern. Die Aussagen konfessioneller „Sektenexperten“ gelten als prinzipiell tendenziös und polemisch. Wodurch wird eigentlich die gewaltsame Trennung der Kinder von ihren Eltern sowie der Entzug des elterlichen Sorgerechts im Fall der „Zwölf Stämme“ gerechtfertigt? 
     
  • Werden Vorurteile zu Tatsachen indem man sie mantraartig wiederholt?

  

FOREF’s Forderungen an die Behörden

  • An den Landrat von Donau-Ries, Stefan Rößle: Setzen Sie auf professionelle Mediation und Deeskalation, um künstliche Polarisierung und Konfliktverschärfung zu verhindern! Verzichten Sie auf finanzielle Förderungen für den Landkreis, die auf Kosten der Kriminalisierung und Diffamierung einer Glaubensgemeinschaft lukriert werden. 
     
  • An das Amtsgericht Nördlingen und das Amtsgericht Ansbach: Hinterfragen Sie die Unverhältnismäßigkeit der ergriffenen Maßnahmen und setzen Sie das physische und psychische Kindeswohl als oberste Priorität! Vermeiden Sie willkürliche Beschlüsse, die durch tendenziöse Berichterstattungen von selbsternannten Experten beeinflusst wurden, und ziehen Sie Schulpsychologen, konfessionsfreie Juristen, Soziologen und Religionswissenschaftler zur professionellen Beratung heran. 
     
  • An das bayrische Jugendamt: Vermeiden sie Stigmatisierung und Mobbing der Kinder in den Heimen und Schulen durch Aufklärung über religiöse Vielfalt, Respekt und Toleranz! Finden Sie kreative Lösungsprozesse durch konstruktiven Dialog mit den betroffenen Eltern.  
     
  • An den Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland: Veranlassen Sie eine amtliche Untersuchung zum unsachlichen Vorgehen der sog. Sektenexperten (namentlich Sabine Riede, Klaudia Hartmann, Pastor Dr. Wolfgang Behnk) und der beteiligten Medienvertreter (inkl. RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk und Focus-Reporter Axel Wolfsgruber). Zudem ist die umstrittene Agenda der „Sektenexperten“ sowie der Einsatz von psychomanipulativen Methoden wie Deprogramming zu untersuchen. Bestellen Sie künftig bei Kontroversen um Religionsgemeinschaften Gutachten von entsprechend ausgebildeten Soziologen und Religionswissenschaftlern!   

 

UN-Kinderrechtskonvention Artikel 19: Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung* 

Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmassnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung Oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschliesslich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut.

* Inwiefern vonseiten des Staates oder vonseiten der betreffenden Glaubensgemeinschaft Gewalt gegen Kinder angewendet wurde, ist für jeden Einzelfall zu überprüfen. 

 

Addar ist endlich wieder zuhause. Zwanzig Kinder befinden sich noch immer in Heimen oder bei Pflegeeltern.

 

FOREF’s Rat an die „Zwölf Stämme“

  • Auch leichte körperliche Züchtigung, die nachweisbar keine körperlichen oder seelischen Schäden hinterlässt, wird in der Öffentlichkeit als Kindesmisshandlung gebrandmarkt und als Erziehungskonzept kriminalisiert! Rechnen Sie damit, dass die deutschen Behörden bereit sind bei Verdacht auf körperliche Disziplinierung – auch wenn diese kontrolliert und in sanfter Weise geschieht – mit irrational massiver Gewalt einzugreifen, um durch die erzwungene und unangekündigte Inobhutnahme der Kinder das Kindeswohl vorgeblich zu schützen. Dass solche Aktionen auf Kosten der seelischen und geistigen Gesundheit des Kindes geschehen, indem der Wille der Kinder gebrochen und die Vertrauensbeziehung zu den Eltern zersetzt wird, findet keine Berücksichtigung. Die Frage der Verhältnismäßigkeit wurde in den vergangenen 16 Monaten von staatlicher Seite nicht diskutiert. Sie wird bestenfalls erst im Nachhinein gestellt, lange nachdem die künstlich erzeugte „Sektenhysterie“ abgeflaut ist. 
  • Veröffentlichen Sie eine ausführliche Darstellung Ihres Erziehungsmodells.
  • Holen Sie sich professionelle psychologische und soziologische Gutachten ein, die den Behörden helfen zwischen maßvoller, erzieherischer Disziplinierung und körperlicher Misshandlung zu unterscheiden.

 

 

 

Entstehung, Glaube und Praxis der „Zwölf Stämme“ im Überblick

  • Die Glaubensgemeinschaft geht auf den Amerikaner Elbert Eugene Spriggs zurück, einem ehemaligen Lehrer und Mitglied der Jesus-People-Bewegung. Spriggs gründete 1972 in Chattanooga, Tennessee die „Light Brigade“ aus der 1975 die „Vine Christian Community Church“ und 1978 “The Northeast Kingdom Community Church” in Island Pond, Vermont hervorging. Während den 1980er und 90er Jahren wuchs die Gemeinschaft beständig und es wurden mehrere Zweige in Nordamerika und Europa unter dem Namen „Messianic Communities“ gegründet, bevor sich die Gemeinschaft schließlich als „Zwölf Stämme“ bezeichnete. Nach eigenen Angaben gibt es weltweit etwa 2000 Mitglieder, wobei der Großteil in den USA ansässig ist. 
  • Die erste deutsche Niederlassung der „Zwölf Stämme“ entstand 1994 in Pennigbüttel bei Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen. Seit 2001 wohnt eine Kommune der „Zwölf Stämme“ im Gut Klosterzimmern in Nördlingen (Landkreis Donau-Ries, Bayern). Heute zählen ungefähr 20 Familien und einige ledige Mitglieder zur Gemeinschaft in Deutschland, welche außer in Nördlingen auch im nahegelegenen Wörnitz (Landkreis Ansbach, Bayern) leben. 
  • Die Gemeinden der „Zwölf Stämme“ sind als Lebens- und Gütergemeinschaften organisiert. Der Besitz wird untereinander geteilt, die handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeit wird kollektiv geregelt und die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen. Die einzelnen Familien haben zusätzlich ihren eigenen privaten Bereich. 
  • Grundlage des gemeinschaftlichen Lebens ist der Gehorsam gegenüber dem Alten Testament und den Worten des Messias Jahschuas (Jesus) entsprechend dem Neuen Testament. 
  • Die Gruppe bereitet sich auf die Wiederkunft des Messias vor. Die Lebensgemeinschaft soll das Muster der christlichen Urgemeinde wiederherstellen, bevor der Sohn Gottes zur Erde zurückkehrt und das millenaristische Zeitalter beginnt. 
  • Jeden Tag findet eine Morgenandacht morgens um 6 Uhr statt, sowie eine Abendversammlung um 18 Uhr. Der Sabbat wird jeden Freitagabend gefeiert. 
  • Die Gemeinschaft in Klosterzimmern bei Nördlingen bemüht sich um freundschaftliche Beziehungen zu den lokalen Nachbarn und lädt die Bewohner des Dorfes jährlich zu großen Hoffesten ein, wo Kinderspiele und selbstgemachte Speisen angeboten werden. Mehrere tausend Besucher kamen bei diesen Anlässen zu Besuch auf den Hof bei Nördlingen in den letzten Jahren. 
  • Kinder werden als Geschenk Gottes gesehen, die über alles geliebt werden. Aufgabe der Erziehung ist es, sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten und zu lehren auf das Gewissen zu achten, Nächstenliebe zu praktizieren, die Eltern zu ehren und Erwachsene zu respektieren. Die Aufgabe der Eltern ist es, den Kindern Liebe und Fürsorge zu schenken. Das beinhaltet auch Grenzen zu setzen und falls diese Grenzen überschritten werden, kann körperliche Disziplinierung erfolgen, die – wie die Gemeinschaft betont – maßvoll und mit anschließender Vergebung geschieht. (Es werden dem Kind keinerlei Verletzungen zugefügt.)
  • Die Zwölf Stämme bevorzugen Heimunterricht, um negative Einflüsse der Gesellschaft (genannt werden der Sexualkundeunterricht oder die Darwinistische Evolutionstheorie) von den Kindern fernzuhalten. Seitdem sich die „Zwölf Stämme“ im Jahr 1994 in Deutschland niederließen, geriet die Gemeinschaft bezüglich der Schulpflicht häufig in Konflikt mit den staatlichen Behörden. 

 

 


 

WEITERFÜHRENDE LINKS

Hintergründe aus Sicht der „Zwölf Stämme“:

 

Notizen vom Rechtsanwalt der „Zwölf Stämme“:

  

*Soziologische Studien von Susan J. Palmer zu den „Zwölf Stämmen“ (Auswahl):

  • Palmer, Susan J. (February 2010). "The Twelve Tribes: Preparing a Bride for Yahshua's Return". Nova Religio 13 (3): 59–80.
  • Palmer, Susan J. (2005). "Twelve Tribes". In Lindsay Jones. Encyclopedia of Religion 14 (2 ed.). New York: Macmillan Reference USA. p. 9409.

 

Hintergründe zum europäischen Anti-Kult-Netzwerk FECRIS:

Besier, G. / Seiwert H. (Hrsg.): Freedom of Religion or Belief Anti-Sect Movements and State Neutrality A Case Study: FECRIS (2012).

 

Kennen Sie Ihre Rechte?

Die Verankerung der Religions-, Weltanschauungs-, Glaubens-, und Gewissensfreiheit in zentralen Gesetzesdokumenten.

 

 

 


 

FOREF Europa: Digitale Pressemappe (APA)

 


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